Diagnose und Therapie bei Wechseljahresbeschwerden

  1. Auf dieser Seite:
  2. Diagnose
  3. Behandlung
  4. Vorbeugung

Ab einem gewissen Alter werden Symptome wie Hitzewallungen, Müdigkeit und verstärkte Monatsblutungen gern auf die nun offenbar einsetzenden Wechseljahre geschoben. Doch nicht alle auftretenden Beschwerden sind nur Anzeichen für diese Lebensphase. Es können auch ernstere Erkrankungen vorliegen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich die Symptome abklären und mögliche Erkrankungen auszuschließen.

Spätestens, wenn sich der Körper an das niedrigere Hormonniveau gewöhnt hat, verschwinden meistens auch die Wechseljahresbeschwerden. Für die Übergangszeit gibt es eine Reihe von Therapien, um den Betroffenen diese Umstellung zu erleichtern.

Wechseljahresbeschwerden Diagnose

Selbsttest mittels Temperaturmessung

Eine Methode zur Diagnose ist die Temperaturmessung. Diese zeigt der Betroffenen meistens schon sehr genaue Ergebnisse an. Bereits nach etwa einem Monat ist mit der Temperaturmessung zu erkennen, ob die Wechseljahre eingesetzt haben. Die Temperaturmessung sollte dennoch über ein halbes Jahr weiter durchgeführt werden, um im Zweifel bei eventuell auftretenden schwerwiegenderen Beschwerden dem Arzt die Temperaturkurve zu zeigen. Treten keine besonders schweren Symptome auf, kann es bei dieser selbst gestellten Diagnose bleiben und es ist zunächst kein Besuch beim Gynäkologen oder beim Hausarzt erforderlich. Die Basaltemperatur, die am Morgen gemessen wird, gibt Aufschluss, ob ein Eisprung stattgefunden hat.

Ein Temperaturanstieg von 0,4 bis 0,8 Grad zeigt den Eisprung
FieberthermometerWährend der ersten Hälfte des monatlichen Zyklus wird überwiegend Östrogen vom Körper ausgeschüttet, was die Körpertemperatur nicht beeinflusst. In der zweiten Hälfte wird Progesteron, auch als Gelbkörperhormon bekannt, produziert. Das führt zu einem Temperaturanstieg um 0,4 bis 0,8 Grad Celsius, etwa zum Zeitpunkt des Eisprungs. Diese erhöhte Temperatur bleibt konstant bestehen, bis nach etwa zwei Wochen die Monatsblutung eintritt. Erst etwa einen Tag vor Beginn der Menstruation fällt die Temperatur wieder auf das normale Niveau ab. Damit ist gut zu erkennen, ob ein Eisprung noch stattfindet.

Wichtig: Damit es nicht zu verfälschten Ergebnissen kommt, darf die Frau aber während dieser Zeit keine Hormone einnehmen oder äußerlich anwenden.

Hormonspiegel durch Bluttest bestimmen lassen

Einige wenige Ärzte befürworten einen Bluttest für die Bestimmung des Hormonspiegels. Dabei ist dieser letzten Endes doch nur eine Momentaufnahme und daher nicht wirklich aussagekräftig. Der Hormonspiegel muss mehrfach durchgeführt werden und auch dann kann es sein, dass die Betroffene in dem geprüften Zeitraum gerade einen ganz normalen Zyklus durchläuft, wie es in den Wechseljahren häufiger vorkommen kann. Zudem ist der Hormontest verhältnismäßig teuer und der Arzt muss dieses Verfahren gegenüber der Krankenkasse rechtfertigen. Daher bieten inzwischen einige Ärzte den Test als individuelle Gesundheitsleistung an. Diese sogenannten IGeL Behandlungen und Analysen sind von der Betroffenen dann selbst zu zahlen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Wechseljahresbeschwerden

Verschiedene Therapien sind zur Linderung der Beschwerden während der Wechseljahre gebräuchlich:

Die Behandlung muss jedoch auf die Stärke der Beschwerden und auf die Patientin selbst abgestimmt sein. Jede Frau sollte sich ausführlich informieren, das Gespräch mit anderen Betroffenen suchen und sich selbst ein Bild machen, bevor sie sich für Hormone entscheidet.

Hormonersatztherapie (HET)

Die Hormonersatztherapie (HET) soll, so der Gedanke dahinter, dem weiblichen Körper die Hormone geben, die nun nicht mehr produziert werden. Da die Hormonbehandlung exakt auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt werden muss, wird in der Regel zunächst eine etwas geringere Dosierung verordnet. Erst wenn sich diese als nicht ausreichend erweist, wird der Arzt eine etwas stärkere Hormonbehandlung befürworten. Als Grundregel gilt bei jeder Hormonbehandlung, so wenig wie möglich und so kurz wie möglich. Das bedeutet, die Hormonbehandlung soll nach Möglichkeit nur für einen kurzen Zeitraum in einer möglichst geringen Dosierung verordnet werden.

Nur Östrogen oder ist eine Kombination besser?

Bei der sogenannten Monotherapie werden nur Östrogene verabreicht. Diese können jedoch ein zu starkes Wachstum der Gebärmutterschleimhaut verursachen. Dadurch wird die Krebsgefahr im Gebärmutterkörper erhöht. Deshalb verordnen die meisten Gynäkologen heute eine Kombinationstherapie, in der neben Östrogenen auch Gestagen vorkommt. Einzig bei Frauen, deren Gebärmutter bereits entfernt wurde, wird die Monotherapie verordnet. Bei ihnen besteht keine Indikation mehr, die Gestagene ebenfalls zu verordnen.

Risiken einer Hormonersatztherapie

Einige Studien haben ergeben, dass sich durch eine Hormonersatztherapie ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vor allem für Brustkrebs ergeben können. Dies scheint abhängig zu sein von einer bestimmte Kombination von Wirkstoffen. Offenbar sind gerade die starre Wirkstoffkombination und die Darreichungsform die Ursache des erhöhten Risikos. Allerdings sehen auch andere Studien die Hormonersatztherapie kritisch, egal in welcher Darreichungsform.

Verschiedene Darreichungsformen der Hormone

Die Hormontherapie wird nicht nur in Tablettenform durchgeführt, sondern es sind auch Spritzen, Pflaster, Zäpfchen sowie Cremes und Gele für den Hormontransport möglich. Auch sind Nasensprays mit den entsprechenden Hormonen erhältlich. Hier sollten jedoch besonders Frauen, die an Heuschnupfen, Asthma oder anderen chronischen Krankheiten des Nasen-Rachen-Raums leiden, vorsichtig sein.

Werden Pflaster für die Hormongabe verwendet, müssen diese zweimal in der Woche gewechselt werden. Die Klebefläche am Körper muss immer fettfrei und absolut trocken sein, damit das Pflaster seine Wirkung entfalten kann. Dann jedoch kann die Nutzerin damit Sport treiben und duschen. Allerdings sollte keine Sonne auf die Körperregion gelangen, da dies dem Wirkstoff schadet. Es kann bei der Verwendung von Hormonpflastern zu Hautrötungen kommen, da nicht jede Frau das Pflaster verträgt.

Frauen, die während ihrer Wechseljahre besonders mit Scheidentrockenheit zu kämpfen haben, finden schnelle Hilfe in einem Zäpfchen, einer Creme oder einem Gel, welches jeweils Östrogen enthält. Diese Medikamente werden in die Scheide eingeführt, wo die Wirkung unmittelbar einsetzt. Der Geschlechtsverkehr wird zusätzlich erleichtert durch Gleitmittel und Cremes, die Feuchtigkeit spenden.

Phytohormone

Phytohormone sind hormonähnliche Botenstoffe, die in vielen Pflanzen enthalten sind. Einige von ihnen können an den menschlichen Hormonrezeptoren andocken und wirken ähnlich wie menschliche Hormone. Da die Wechseljahre mit einem Progesterondefizit beginnen, sind viele Beschwerden weniger auf einen Östrogen-, als vielmehr auf einen Progesteronmangel zurückzuführen. Einige typische Beschwerden lassen sich mit pflanzlichem Progesteron lindern, da dieses Progesteron die Östrogensynthese ankurbeln kann, indem es die Östrogenrezeptoren stimuliert.

Traubensilberkerze

SilberkerzeDie Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), auch Frauenwurzel genannt, ist eine Staude aus Nordamerika, die bereits von den Indianern gegen Krämpfe und Schmerzen verwendet wurde. Sie hat ebenfalls eine geburtserleichternde Wirkung und wird inzwischen auch im europäischen Raum für die Linderung von Regelkrämpfen und Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt.

Da die Traubensilberkerze auch Depressionen lindern kann, ist sie gerade im Klimakterium doppelt nützlich für viele Frauen. Dennoch sollte man vor der Einnahme den Arzt befragen, ob dieser pflanzliche Hormonersatz in jedem Fall problemlos eingenommen werden kann.

Die Wurzeln der Traubensilberkerze werden entweder als Tinktur angewandt oder einfach als Tee getrunken. Dieser sollte allerdings in etwa eine viertel Stunde lang ziehen, um seine Wirkstoffe zu entfalten. Mehr als drei Tassen des Tees sind pro Tag nicht zu empfehlen. Außerdem ist nach etwa sechs Wochen eine Pause angeraten, damit der Tee weiterhin wirkt und keine Gewöhnung eintritt.

Mönchspfeffer

Moenchspfeffer; Vitex agnus castus
Moenchspfeffer; Vitex agnus castus

Auch der Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) oder Keuschlamm enthält Phytohormone, sogenannte Phytoprogesterone, die dem Östrogen ähneln. Die Heilpflanze ist bereits seit dem Mittelalter dafür bekannt, Menstruationsbeschwerden zu lindern.

Ohnehin ist eine Beratung durch den Arzt zu empfehlen, da die Wirkstoffe des Mönchspfeffers einige Medikamente negativ beeinflussen können, auch solche, die für andere Beschwerden eingenommen werden. Das Präparat ist ausschließlich in Apotheken erhältlich.

Andere pflanzliche Mittel

JohanniskrautteeSchafgarbe und Frauenmantel
Diese sind in der Lage, die Progesteronproduktion anzukurbeln und Wechseljahresbeschwerden zu lindern.

Baldrian und Hopfen
Diese pflanzlichen Mittel können Schlafstörungen, die viele Frauen beklagen, lindern.

Passionsblume und Melisse
Beiden Pflangen wird eine ausgleichende Wirkung zugesprochen. Zudem beeinflussen sie den Schlaf positiv.

Johanniskraut
Das pflanzliche Mittel ist dafür bekannt, Nervosität zu lindern und leichte Depressionen positiv zu beeinflussen.

Soja, Yamswurzel und Rotklee
Diese werden häufig für Wechseljahresbeschwerden empfohlen, sind jedoch keine Heilpflanzen, sondern fallen in den Bereich der Nahrungsergänzungsmittel.

Allerdings ist es wichtig, auch bei pflanzlichen Mitteln den Rat eines Arztes einzuholen, denn jedes Mittel, ob pflanzlich oder chemisch hergestellt, kann Neben- und Wechselwirkungen haben.

Homöopathische Mittel

Homöopathische Arzneimittel können alternativ zu anderen Behandlungsmethoden eingesetzt werden, um bestimmte Symptome von Wechseljahresbeschwerden zu lindern. Folgende homöopathsichen Präparate sind bekannt:

  • Sepia (Tintenfisch): Stimmungschwankungen, Reizbarkeit, klimakterische Depressionen, Hitzewallungen, Gleichgültigkeit, Migräne, Frösteln
  • Cimifuga (Traubensilberkerze): Kopfschmerzen, Schlafstörungen, nervöse Herzbeschwerden, Angstgefühle, Depressionen, Unterleibs-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Nacken- und Rückenschmerzen
  • Ignatia (Ignatiusbohne): Migräne, Stimmungsschwankungen, stiller Kummer

Schüssler Salze

17441Schüssler-Salze eignen sich ebenfalls zur sanften Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren. Sie haben keine Nebenwirkungen und stärken den ganzen Körper. Es gibt Schüssler-Salze für allgemeine Beschwerden in den Wechseljahren, das sind die Nr. 1 Calcium fluoratum, die Nr. 7 Magnesium phosphoricum, die Nr. 24 Arsenum jodatum und die Nr. 25 Aurum chloratum natronatum. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Kombinationen für die einzelnen Symptome. Ein Heilpraktiker oder Arzt kann hier die jeweils passende Kombination empfehlen.

Sonstige Therapien

Einige Frauen leiden unter schweren Depressionen in den Wechseljahren. Ihnen kann zusätzlich zu einer hormonellen Behandlung ein Antidepressivum verschrieben werden. Gegen Kreislaufbeschwerden helfen wechselwarme Fußbäder. Dafür werden die Füße für fünf Minuten in mäßig warmes Wasser getaucht und anschließend für eine halbe Minute in sehr kaltes Wasser. Dies wird zweimal wiederholt, um den Kreislauf in Schwung zu bringen und zu stärken.

Vorbeugen in den Wechseljahren

Wirklich vorbeugen kann man den meisten Beschwerden der Wechseljahre nicht. Das körperliche und seelische Wohlbefinden kann aber durch verschiedene Faktoren positiv beeinflusst werden:

  • gesunde und ausgewogene Lebensweise (reich an Calcium und Vitamin D, um einer möglichen Osteoporose vorzubeugen)
  • ausreichend Schlaf
  • Reduzierung von Stress
  • regelmäßige Bewegung
  •  Wechselduschen und Saunagänge